8. Februar 2026

WHO CARES? Pflege zwischen Erschöpfung und Aufbruch ist erschienen

Endlich! Am 6.2.2026 war es soweit! Hindernislauf und Heldinnenreise zugleich! Aber das haben ja Heldinnen- und Heldenreisen so an sich. Man bricht mit einer Frage auf, begegnet Fallen und Ungeheuern und kehrt mit einem Elixier zurück! Auf jeden Fall verändert.

Worum es geht: Ich möchte euch auf die Reise mitnehmen, die mein Buch von seinen schmerzlichen Anfängen bis zu seiner Geburt genommen hat. Es handelt von einem Beruf, der sehr erfüllend sein kann und geliebt wird, aber die Bedingungen, unter denen er praktiziert wird, treibt viele Menschen aus diesem Beruf heraus[1]. Warum das so ist, was den Beruf so unattraktiv macht, das wollte ich herausfinden.

Es begann mit dem plötzlichen Tod meines Mannes. Die ersten Fühler nach außen kamen mit den Fragen, was für mich jetzt Priorität haben sollte. Ich hatte gerade erlebt, wie zerbrechlich unser Leben sein kann!

Ich folgte dem Hinweis zu erkunden, wie Menschlichkeit wieder in den Krankenhäusern Einzug halten könnte. Mir fiel ein Medizinethikseminar von der Thales Akademie in Freiburg im Breisgau auf. Von meinem damaligen Wohnort in der Zentralschweiz gut zu erreichen. Obwohl das Einschreibedatum schon vorbei war, erhielt ich noch einen Platz.

Mit dieser Einschreibung wurde ein Kanal in mir geöffnet, ich wurde geradezu überflutet von Erinnerungen – Szenen aus meinen vielfältigen Arbeitsorten in Krankenhäusern und ambulanter Intensiv-Betreuung in Deutschland, Schweiz und Griechenland. Ich habe davon schon mehrfach erzählt. Was aber das Pflänzchen zum Explodieren brachte, war eine Erinnerung an unmenschliche Zustände: zu wenig Personal, zu viele Aufgaben und keine Zeit für die Patienten.

Ich laufe durch die Zimmer, mal bekommt die eine, mal der andere einen Löffel in den Mund geschoben. Versetze dich mal bitte in die Lage des Patienten! Wie würdest du dich fühlen, wenn ein gehetztes Wesen dir irgendeinen Brei in den Mund schiebt? Ohne dich anzusehen, ohne mit dir zu sprechen? Das Zusammentreffen zweier Automaten!

Ikone der Unmenschlichkeit

Dieses Bild der Unwürde, der Unmenschlichkeit, hat sich bei mir eingebrannt. Es hatte sich in meinem Körper, meinem Gedächtnis eingenistet und auf die passende Gelegenheit gewartet herauszubrechen!

Es hat lange gedauert, bis es so weit war, schätzungsweise 10 Jahre. Mir wurde klar, wie mächtig das Unbewusste ist und wie mächtig und schädlich der Modus, der uns im Funktionieren hält! Und nicht nur schädlich, sondern brandgefährlich! Letztendlich ermöglichen solche Haltungen Dominanzsystemen ihr Fortbestehen und ihr menschenverachtendes Tun.

Der Rest ging schnell. Ich habe 11 ehemalige Kollegen gefunden, die bereit waren, mir über ihren Werdegang und ihre Erfahrungen als Pflegeperson zu berichten. Innerhalb von 8 Monaten habe ich narrative Interviews geführt, transkribiert und in einer ersten Phase für die Abschlusspräsentation des CAS Medizinethik (Certificate of Advanced Studies) der Thales Akademie für angewandte Philosophie ausgewertet. Mein Thema: Ethische Fragestellungen im Arbeitsalltag von Pflegefachleuten.

Die Themen der ethischen Konflikte umfassten im Wesentlichen:

  • Überleben um jeden Preis, Medizin im Fokus, nicht der Mensch
  • Zeit- und Leistungsdruck
  • Respektlosigkeit gegenüber Patienten
  • Mangelnde Selbstfürsorge Patient
  • Mangelnde Selbstfürsorge Personal

Weitere Kernaussagen waren:

  • Wir wollen gehört werden
  • Wir vermissen Wertschätzung
  • Wir vermissen ganzheitliche Behandlung der Patienten

Ich habe die Schwerpunkte der jeweiligen Interviews ermittelt und bin zu der Kernthese gekommen, dass die Relevanz von Pflege und Care-Tätigkeiten im Gegensatz zu ihrem gesellschaftlichen Status steht!

Dieses Ergebnis hat mich weiterforschen lassen und ich bin Vertretern der Integrierten Medizin begegnet, die eine ganzheitliche Betrachtung und Therapie in den Mittelpunkt rücken. Dann ist mir eine andere Art der Ökonomie begegnet, die Fragen nach dem Wohlergehen von Menschen und Staaten stellt und nicht nach der maximalen Gewinnmaximierung. Mir ist sogar eine Forscherin begegnet, die Care als den Mittelpunkt allen Wirtschaftens versteht. Denn ohne Fürsorge ist überhaupt kein Leben möglich! Antworten auf die Probleme von Pflegenden habe ich überall dort gefunden. Herausgekommen ist mein Buch:

WHO CARES? Pflege zwischen Erschöpfung und Aufbruch

https://buchshop.bod.de/who-careso-ruth-kummer-9783819278266

Auch auf meiner Webseite ist das Buch beim BoD-Shop verlinkt. Dort könnt ihr einen Blick hineinwerfen, auf die Einleitung, das Inhaltsverzeichnis und das erste Kapitel.

Mein Herzenswunsch

Mein Herzenswunsch ist, dass wir aufhören in Unterschieden und Abwertungen zu denken und unser Leben und das unserer Mitmenschen schätzen und würdigen. Dass wir Ikonen der Menschlichkeit schaffen!

Mehrfach habe ich von meinen Interviewteilnehmer den kategorischen Imperativ der Pflege gehört:

„Ich möchte meine Patienten so versorgen können, wie ich auch mich und meine Familie versorgen würde!“

Das Elixier? To make whole -be whole (John Butler)

#CARE-HEALTH-ECONOMY-CONNECTING-THE-DOTS

Ich bin an eurer ehrlichen Meinung zu meinem Buch interessiert!


[1] Studie von 2021: Ich pflege wieder, wenn… https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-neue-studie-mindestens-300-000-zusatzliche-pflegekrafte-40798.htm

https://www.arbeitnehmerkammer.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Politik/Rente_Gesundheit_Pflege/Bundesweite_Studie_Ich_pflege_wieder_wenn_Kurzfassung.pdf

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