Kommunikation mit Angehörigen von Sterbenden
Sie verstand nicht, was geschah.
Ihr Mann lag im Sterben.
Und am Ende jedes Satzes sagte sie:
„Der isst ja auch nix.“
Den richtigen Kanal finden
Ich habe es den ganzen Tag nicht geschafft, ihr verständlich zu machen,
dass es nicht mehr ums Essen ging.
Dass man auch mit schlafenden Menschen sprechen kann.
Dass man ihnen das Leben noch schön machen kann.
Es kam nicht an.
Nicht über Worte.
Nicht über Erklärungen.
Dann habe ich versucht, ihre Sprache zu sprechen.
Den Geist füttern
Ich sagte:
„Wissen Sie, jetzt ist der Moment gekommen, wo er nicht mehr mit Essen gefüttert wird.
Jetzt muss er mit schönen Geschichten gefüttert werden.
Mit schönen Bildern.
Damit er schön träumen kann.
Jetzt wird der Geist gefüttert.“
Sie schaute mich an und sagte:
„Wir haben uns auch über anderes unterhalten.“
„Ja“, sagte ich, „das ist gut.
Dann erzählen Sie ihm doch jetzt vom Garten.
Wie es draußen aussieht.
Was blüht.
Was die Nachbarn machen.“
Beim nächsten Mal, als ich ins Zimmer kam,
erzählte sie ihm von den Obstbäumen.
Davon, wie alles grün wird.
Und diesmal hatte sie verstanden.
Kommunikation als Resonanzraum
In solchen Momenten wird mir klar,
wie sehr wir glauben, dass Kommunikation aus Erklären besteht.
Aber das stimmt nicht.
Kommunikation beginnt dort,
wo wir bereit sind, den anderen wirklich zu erreichen.
Nicht mit unseren Worten.
Sondern mit seinen.
Pflege ist in solchen Momenten keine Handlung.
Sie ist ein Wahrnehmen.
Ein Zuhören.
Ein Übersetzen.
Und manchmal ist es genau das,
was den Unterschied macht.
Nicht nur für die, die gehen.
Sondern auch für die, die bleiben.
Vielleicht geht es nicht immer darum,
die richtigen Worte zu finden.
Sondern darum,
den richtigen Kanal zu treffen.
Diese Geschichte findest du in meinem Buch
WHO CARES – Pflege zwischen Erschöpfung und Aufbruch.
Erika hat sie in ihrer Arbeit in der Palliativpflege erlebt.
Für sie ist es eine Kunst, sich mit Menschen in Ausnahmesituationen verständigen zu können.
Denn genau das gehört zu den Fähigkeiten, die wir am Krankenbett brauchen:
Körpersprache lesen.
Sich auf Augenhöhe begeben.
Zuhören.
Und den richtigen Kanal finden.
Care ist keine Option – sie ist die Grundlage unseres Lebens.